7 Tipps zu Flockungsmittel: Anwendung, Dosierung & Sicherheit

Flockungsmittel sind ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung jedes Poolbetreibers. Durch Zusammenlagerung von Schwebeteilchen bei der Flockung kann das Poolwasser im Filter einfacher gereinigt werden.

Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Flockung gegeben sein müssen, wann und wie Flockmittel eingesetzt werden und wie sicher die Verwendung ist.

Flockungsmittel

Das Wichtigste zur Säurekapazität auf einen Blick

  • Flockungsmittel kommen zur Anwendung gegen Trübungen, Algen und schwerlösliche Salze: für kristallklares Wasser in Ihrem Pool
  • vorher: pH-Wert und Säurekapazität für optimale Wirkung prüfen und einstellen, Desinfektion durchführen
  • die Wirkstoffe verbinden kleine Partikel zu größeren Flocken
  • die korrekte Dosierung beträgt ca. 15 bis 20 ml Flockungsmittel pro m³ Wasser, beachten Sie Herstellerangaben
  • „Anschärfen“ des Filters: Keine Veränderung des Filtersandes, aber größere Schwebstoffe lassen sich einfacher entfernen
  • Wann wieder baden? – Etwa 5 Stunden nach Zugabe des Mittels dürfen Badegäste den Pool wieder betreten

Definition: Was ist Flockungsmittel?​

Flockung oder Flockulation beschreibt ein Verfahren, bei dem feinst verteilte (suspendierte/ kolloidale) Feststoffpartikel in Flüssigkeiten zu größeren Flocken verbunden werden. Elektrostatische Abstoßungskräfte verhindern bei geladenen Teilchen, dass diese sich zu größeren Ansammlungen zusammenfügen.

Der Ausgleich dieser Oberflächenladungen durch Gegenionen bestehend aus Metallsalzen (vor allem Aluminium und Eisen, z. B. Aluminiumhydroxichlorid oder seltener auch Natriumaluminat) sorgt dafür, dass diese Abstoßung überwunden wird. Besonders bei im Wasser vorkommenden schwerlöslichen Salzen ist dieser Effekt hochwirksam. Es kommt zur Koagulation. Ein weiterer Mechanismus ist die Komplexbildung und Chelatisierung, bei der vielfach geladene Moleküle in der Lage sind, mehrere gegensätzlich geladene Teilchen miteinander zu verbinden oder zu umschließen.

Flockungsmittel für den Pool enthalten unter Umständen auch hochmolekulare sogenannte „Flockungshilfsmittel„. Die großen Moleküle, aus denen Flockungshilfsmittel bestehen, verfügen über viele funktionale Einheiten, die jeweils eine Ladung (positiv oder negativ ionisiert) tragen. Solche polymeren Elektrolyte sorgen für Agglomeration, also die Bildung von Makroflocken, die groß genug für die Abtrennung durch Filtration sind.

Wenn der Poolinhalt nicht klar und sauber wirkt, ist dies nicht nur ein optischer Makel. Trübungen im Wasser entstehen immer durch ungelöste Partikel, an denen sich Licht streut. Dies sorgt für eine milchige Erscheinung des Poolwassers (Tyndall-Effekt). Sichtbare Trübungen oder erkennbar frei schwimmende Schwebeteilchen, die nicht vom Filter entfernt werden, sind ein Zeichen für Verunreinigungen und chemische Ungleichgewichte im Wasser. Nachdem die Ursachen bekämpft wurden – z. B. per Desinfektion, Einstellung der korrekten Betriebsparameter des Pools etc., kann dann ein Flockungsmittel verwendet werden, um diese unerwünschten Bestandteile aus dem Wasser zu entfernen.

Wenn Sie alles richtig gemacht haben, die optimalen Bedingungen für die Flockung herrschen und der Filter korrekt arbeitet, verschwindet die Trübung und sie können wieder klares Wasser genießen.

Flockungsmittel zur Poolreinigung

Kleine Partikel, wie sie zum Beispiel beim Ausfallen von Carbonaten oder schwerlöslichen Metallverbindungen entstehen, können nur durch Filter mit sehr niedriger Porengröße abgefangen werden. Auch die Zellen von Bakterien oder Algen sind zu klein, um sinnvoll mit der Sandfilteranlage entfernt zu werden.

Das sogenannte „Anschärfen“ von Sandfiltern ist der klassische Einsatzzweck von Flockungsmitteln: Die entstehenden größeren Flocken können gut abgefangen werden und lassen sich beim Rückspülen wieder einfach aus dem Sand entfernen. Kartuschenfilter dagegen verfügen über wesentlich kleinere Porenräume als Sandfilter. Sorgt man hier für Koagulation kleinerer Partikel, können die resultierenden Agglomerate schnell den Filter verstopfen. Aus diesem Grund sollten hier keine herkömmlichen Flockungsmittel eingesetzt werden. Für Spezialfälle gibt es Angebote, die speziell für den Einsatz mit Kartuschenfiltern geeignet sind.

Die Wirkungsweise eines Sandfilters ist relativ simpel: Die Sandschüttung sorgt dafür, dass zwischen den Sandkörner Freiräume entstehen, durch welche das Wasser strömen kann. Diese Räume bilden im dreidimensionalen Zusammenhang Poren. Ist ein Feststoffbestandteil, der im Wasser schwimmt, größer als der Durchmesser dieser Poren, wird er zurückgehalten, wenn nicht, kann er hindurchrutschen. Die Flockung sorgt dann dafür, dass die Wahrscheinlichkeit, dass feste Bestandteile im Filter „steckenbleiben“, vergrößert wird.

Die Wirksamkeit des Flockungsmittels hängt von der genauen Zusammensetzung ab. Schmutzpartikel, die von dem Effekt betroffen sind, reichen von Mikropartikeln aus Calciumcarbonat (Kalk) oder ungelöstem Eisen/ Kupfer/ Phosphaten, Fetttröpfchen (z. B. von Sonnencreme und anderen Kosmetika) über Bakterien und Algen hin zu Hautschuppen, Pollen und Staubpartikeln. Die Eintragungswege der einzelnen Verschmutzungen sind dabei sehr unterschiedlich. Während Abdeckungen z. B. das Einrieseln von Pflanzenpollen und Stäuben verringern, ist eine Pooldusche empfehlenswert, um den über die Haut der Badegäste transportierten Schmutz vor dem Baden zu reduzieren. Auch die Desinfektion des Pools z. B. mit Chlor hat eine Auswirkung und kann manche Ursachen für Trübungen abstellen.

Arten von Flockungsmittel für den Pool

Die simpelste Form ist das flüssige Flockungsmittel. Dieses lässt sich direkt oder vorverdünnt dem Wasser zugeben oder in den Skimmer gießen. Gleichzeitig kann es sehr genau dosiert werden und lässt sich dadurch ideal der Wassermenge im Pool anpassen.

Flockkartuschen dagegen sind fertig verpackte Taschen aus Stoff, in denen der Wirkstoff in Form von Granulat oder anderen sich langsam auflösenden Feststoffen enthalten ist. Diese Pakete lassen sich direkt in den Skimmer, Schwallwasserbehälter oder einen Dosierschwimmer legen, wo sie ihre Ladung langsam und kontinuierlich abgeben. Auf diese Weise hat man eine gleichmäßige Flockung, die lange vorhält. Als Dauerlösung sind diese Kartuschen also die optimale Variante.

Granulate sind Feststoffteilchen, die sich in Verbindung mit Wasser rasch auflösen und das Flockungsmittel so relativ zügig abgeben. Für den Dauergebrauch sind sie daher weniger geeignet. Die Handhabung ist ähnlich unproblematisch wie bei Flüssigzubereitungen.

Multitabletten schließlich enthalten nicht nur einen einzelnen Wirkstoff, sondern bringen alle zur Poolreinigung notwendigen Substanzen in einem Paket zum Einsatz. Diese Variante ist also besonders dann nützlich, wenn ohne großen Aufwand gearbeitet werden soll. Wer nicht die Zeit hat, die Feinabstimmung zwischen Chlor, Algizid und Flockung vorzunehmen, ist hier richtig. Andererseits hat man so auch keinen Einfluss auf die Zusammensetzung, sodass bei Problemen das Verhältnis der Wirkstoffe nicht geändert werden kann. Die Hersteller der Poolchemikalien verwenden in ihren Produkten jeweils eigene Rezepte. Auch enthält nicht jede Sorte Multitabletten auch wirklich Flockungswirkstoffe! Nehmen Sie sich die Zeit, die Details zu vergleichen.

Anwendung: Trübung und Verfärbungen

  • Wasser ist milchig: Dies ist ein Hinweis auf Kalkentstehung. Allgemein bedeutet dies, dass die Wasserhärte zu hoch ist. Auch der korrekte pH-Wert (7,0 bis 7,4) sollte eingestellt werden. Anschließend kann die Flockung + Filtration durchgeführt werden. Rückspülung des Filters entfernt dann die abgetrennten Kalkflocken.
  • Wasser ist trübe: Solche Trübungen beruhen auf einem Überschuss an organischem Material im Wasser. Die Filteranlage muss zurückgespült werden, um das Abscheiden von Partikeln zu gewährleisten. Verkalkte Filter können mit einem Filterreiniger gespült werden. Stellen Sie dann den pH-Wert ein und führen Sie eine gründliche Desinfektion des Pools durch. Im Anschluss können Verschmutzung durch Zugabe eines Flockungsmittels + Filtration entfernt werden.
  • Wasser ist grün verfärbt/ glitschige Poolwände: Zur Entfernung der Algen müssen Sie die Poolwände/ den Boden mechanisch reinigen, dann den pH-Wert einstellen und eine Desinfektion durchführen (Stoßbehandlung). Flockungsmittel können beim Abtrennen der Algen helfen. Um die Entfernung der abgetöteten Algen zu gewährleisten, muss der Filter überwacht und rückgespült werden.
  • Wasser ist braun verfärbt: Hierfür sind Eisenabscheidungen im Wasser verantwortlich. Stellen sie den pH-Wert korrekt ein und geben sie ein Flockungsmittel ins Wasser. Der Filter muss anschließend rückgespült werden.

Die richtige Dosierung von Flockungsmittel

Die Hersteller geben auf den Verpackungen natürlich Hinweise zur korrekten Menge – an diese sollten Sie sich auch halten.

  • Als Faustregel geht man von einer Dosierung von 150 bis 200 ml Flockungsmittel pro 10 m³ Poolinhalt aus.
  • Bei Granulaten sollte man von einer höheren Wirkstoffkonzentration ausgehen: Üblicherweise kommen hier 20 bis 40 g des Granulats zum Einsatz.
  • Flockungskartuschen kommen in unterschiedlichen Größen, sodass hier eine allgemeine Dosierungsregel wenig Sinn ergibt. Übliche Produkte gehen von 1 Kartusche je 20-40 m³ aus bzw. empfehlen, pro Woche 1 Kartusche einzusetzen. Da die Aluminiumkonzentration im Wasser möglichst niedrig gehalten werden sollte, setzen Sie im Zweifel lieber weniger der Substanz ein als zu viel.

Zusammenhänge und Prüfung der Messwerte

Üblicherweise wird Aluminiumhydroxidchlorid bzw. Polyaluminiumchlorid (Aln(OH)mCl3n-m) verwendet. Es gibt auch andere Flockungsmittel, z. B. auf Eisenbasis, die aber im normalen Handel für Poolbetreiber nicht üblich sind.

Hausmittel, die einige Probleme der Wasserqualität beheben können, die auf Kalkausfällungen oder Eisenpartikel zurückgehen, sind Zitronensäure und Vitamin C. Auch bei Algenbefall soll Vitamin C helfen. Dennoch lösen diese Stoffe das Problem der im Wasser vorhandenen Partikel nicht im gleichen Maße wie die Flockung: Der Zusammenballungseffekt der Mikroteilchen ist hier minimal.

Beim Einsatz von AFM-Füllungen im Filterkessel lassen sich Flockungsdurchgänge ebenfalls umgehen. Die regelmäßige Flockung ist durch die größere Wirksamkeit der Filtration dabei nicht mehr nötig. Stattdessen kommt Flockungsmittel nur noch dann zu m Einsatz, wenn akute Probleme auftreten.

Die üblichen Flockungsmittel können gegenüber anderen Poolchemikalien als unproblematisch gelten. Dennoch ist davon abzuraten, Mischungen unterschiedlichen Mittel herzustellen. Beachten Sie die Abfolge der Behandlungsschritte (üblicherweise: Säurekapazität, dann pH-Einstellung, dann Desinfektion/ Chlorung, dann Flockung) und halten Sie die empfohlenen Wartezeiten ein, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Nur beim Einsatz von Multitabletten, die fertig abgemischte und aufeinander abgestimmte Wirkstoffkombinationen anbieten, kann auf diese Abfolge verzichtet werden.

Die Säurekapazität sorgt dafür, dass das Wasser den optimalen pH-Bereich nicht verlässt. Diese Pufferwirkung ist die Grundlage für eine erfolgreiche Flockung. Überprüfen Sie diesen Wert daher regelmäßig und stellen ihn auf das Optimum von 80-150 mg/l. Den korrekten pH-Wert für die Flockung stellen Sie mit den üblichen pH-Plus- oder pH-Minus-Lösungen her. Er sollte im Bereich 7,0 bis 7,4 liegen. Dies garantiert, dass das Flockungsmittel stabile Flocken ausbildet, die sich z. B. auch im Filter nicht wieder auflösen und dann per Rückspülung eliminiert werden können.

Für beide Werte stehen Teststreifen zur Verfügung, deren Verfärbung nach Kontakt zum Poolwasser das Ablesen des Messwertes ermöglicht. Auch elektronische Teststreifen-Leser bzw. Messgeräte mit Sensorelektroden können eingesetzt werden.

Sicherheitshinweise

Flockungsmittel auf Aluminiumbasis sind weitgehend ungefährlich.

  • Flüssige oder feste Flockungsmittel sollten bei Hautkontakt gründlich mit Wasser und Seife abgespült werden.
  • Beim versehentlichen Verschlucken der Lösung Mund ausspülen und in kleinen Schlucken 0,1-0,2 l Wasser trinken lassen. KEIN ERBRECHEN auslösen!
  • Bei Augenkontakt ausdauernd mit klarem Wasser ausspülen und bei Beschwerden den ärztlichen Kontakt suchen, um eine dauerhafte Augenschädigung zu vermeiden. Vermeiden Sie beim Einsatz von Granulaten das Entstehen von Stäuben.

Aluminiumsalze stehen im Verdacht, in die Haut einzudringen und sich im Körper abzulagern. Ein Zusammenhang mit der Entstehung von Morbus Alzheimer wurde diskutiert, konnte aber bisher nicht bestätigt werden. Aus diesem Grund sollten Flockungsmittel nie im Überschuss eingesetzt, sondern eher sparsam dosiert werden. Im Anschluss an die Flockung sollte Umwälzung und Filtration für ca. 5 Stunden erfolgen, um zu gewährleisten, dass der Aluminiumgehalt des Wassers wieder abgesunken ist.

Beim Einsatz von Flockungsmitteln können sich im Filter rasch größere Mengen Schmutz ansammeln, was den Druck ansteigen lässt. Behalten Sie die Anzeige im Auge und spülen sie rechtzeitig nach, um eine Beschädigung der Pumpe zu vermeiden und die optimale Wirkung des Filters zu gewährleisten.

 

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