Wasserreinigung: Aufbereitung von Trinkwasser, Poolwasser & Abwasser

Je nach Anwendungsgebiet hat die Reinheit von Wasser unterschiedliche Ansprüche und wird mit vielfältigen Methoden erreicht. Unser Trinkwasser soll höchste Qualität haben, um uns gesund zu halten. Poolwasser soll klar und geruchlos sein und weder Haut noch Augen reizen. Und die Behandlung von Abwasser schützt unsere Umwelt.

Doch wie wird das erreicht? Welche Stoffe dürfen im Wasser nicht vorkommen? Wie sicher ist unser Leitungswasser? Und welche neuen Herausforderungen eröffnen sich durch Erkenntnisse aus der Wissenschaft?

Wasserreinigung: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Je nach Verwendungszweck: unterschiedliche Ansprüche an die Reinheit von Wasser
  • aufsteigende Reinheit: Nutzwasser für Bewässerungsanlagen — Mineralwasser — Trinkwasser — Reinstwasser (Industrie- und Laboranwendungen)
  • stufenweise Behandlung je nach Ausgangsmaterial
  • physikalische/ mechanische, chemische und biologische Reinigungsmethoden
  • Techniken: Rechen/ Grobfilter, Sedimentation, Flockung, Fliehkraftabscheidung, Filtration, Umkehrosmose, Destillation, Abkochen, Aktivkohleadsorption, chemische Desinfektion, Salzelektrolyse-Desinfektion, biologische Oxidation, Bioreaktoren, Pflanzenkläranlagen, Fällungsmittel, UV-Bestrahlung, Ozonierung und viele mehr
  • Abwasserbehandlung als mehrstufiger Prozess: Anwendung aufeinander aufbauender Techniken
  • strenge gesetzliche Regelwerke und Auflagen für Trinkwasser- und Abwasserreinigung

Reinigung des Wassers je nach Anwendungszweck

Je nachdem, welches Verwendungsziel das zu reinigende Wasser hat, müssen unterschiedliche Anforderungen erfüllt werden. Diese sind zum größten Teil auch gesetzlich vorgeschrieben.
Die Behandlung von Abwasser dient in erster Linie der Entfernung von Schadstoffen und Krankheitserregern. Auch die Reduktion des Eintrags von Nährstoffen ist hier wichtig, um Eutrophierung zu verhindern. Ziel der Reinigung ist die Vermeidung von Umweltschäden.

Bei Nutzwasser gibt es technische und gesundheitliche Anforderungen. So soll zum Beispiel die Korrosion von Anlagen und Infrastruktur verhindert werden. Bei direktem Kontakt mit dem Menschen ist auch die Vermeidung von Gesundheitsrisiken von höchstem Interesse. Bei zum Beispiel Poolwasser ist andauernde und intensive Exposition sowie sogar die Gefahr des Verschluckens zu berücksichtigen.

Trinkwasser gehört zu den anspruchsvollsten Anwendungen. Die völlige Abwesenheit von Krankheitserregern ist gesetzlich vorgeschrieben. Für andere Inhaltsstoffe gelten Richtlinien, die die Gesundheitsbelastung so weit wie möglich reduzieren sollen.

Reinstwasser ist für manche technische und chemisch-analytische Anwendungen wichtig. Hier ist das Ziel chemisch reines Wasser durch Entfernung sämtlicher Fremdstoffe.

Wasserreinigung von Trinkwasser

Zur Gewinnung von Trinkwasser werden in Deutschland ca. 60 % Grundwasser, 30 % Oberflächenwasser und 10 % Quellwasser genutzt. Neben dem reinen chemischen Wasser H2 kommen noch Mineralstoffe in ionischer Form vor: Dabei handelt es sich vor allem um Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium. Auch Chlorid, Sulfat und Hydrogencarbonat sind natürliche Bestandteile.

Je nach Region unterscheiden sich die Konzentrationen dieser Begleitstoffe. Darüber hinaus können noch weitere Metallionen enthalten sein. Neben dem etwas häufigeren Eisen handelt es sich dabei aber fast ausschließlich um Mengen im Spurenbereich. Auch hier entscheidet bei der Nutzung von Grundwasser die regionale Geologie über die Zusammensetzung. Partikel und Mikroorganismen sind in den Trinkwasserquellen natürlich vorhanden, werden jedoch bei der Aufbereitung entfernt.

Wenn man Leitungswasser mit Wasser aus Flaschen vergleicht, schneidet es fast durchweg besser ab. Die Kontrollen und Grenzwerte sind in praktisch allen Bereichen strenger. Bei der Abfüllung in Kunststoffflaschen besteht die Möglichkeit, dass sich Verpackungsbestandteile im Wasser lösen. Die Konzentrationen dieser Verunreinigungen gelten meist als unbedenklich.
Einzig sogenannte Weichmacher wie Bisphenol A stehen unter Verdacht, das Hormonsystem des Menschen zu beeinflussen. Deswegen wird generell zur Verwendung von Glasflaschen geraten. Diese sind zwar schwerer, können aber auch mehrfach verwendet werden.
Die Ökobilanz von Leitungswasser bleibt auf jeden Fall unübertroffen. Abfüllen und Transport von Mineralwasser und Tafelwasser in Flaschen erzeugen viel CO2. Auch wenn Verpackungen recycelt werden können, geschieht dies unter Energieeinsatz. Die Trinkwasseraufbereitung und -versorgung ist diesem System im Aufwand deutlich überlegen.

Durch die gesetzlichen Vorgaben in der Trinkwasserverordnung werden Grenzwerte für Mikroorganismen, Mineralien und Schadstoffe definiert. Diese sind in Deutschland im europäischen Vergleich sehr streng und werden flächendeckend kontrolliert. Die Trinkwasserqualität ist grundsätzlich als sehr hoch anzusehen. Für den Fall von Verunreinigungen, die im Betrieb der lokalen Wasserwerke vorkommen können, werden Warnungen an die betroffenen Gebiete ausgegeben. Meist handelt es sich um Auftreten von Mikroorganismen. Infolge dessen werden manchmal zur desinfizierenden Behandlung des Trinkwassers Chemikalien eingesetzt. Diese gelten als gesundheitlich unbedenklich, können aber Geschmack und Geruch des Wassers beeinträchtigen.

Bedenkliche Inhaltsstoffe in Trinkwasser

Hauptproblem im Trinkwasser sind mikrobielle Belastungen. Es gibt zahlreiche Bakterienarten, die im Trinkwasser überleben und sogar wachsen können. Die meisten davon sind für den Menschen nur in großen Konzentration gefährlich. Coliforme Bakterien (Escherichia coli, Enterobacter und Klebsiella) sind Fäkalkeime und damit Anzeichen für Verunreinigungen mit Abwasser.

Einige dieser Organismen können Magen-Darm-Infektionen verursachen. Gerade in weniger entwickelten Regionen sind sie das Hauptproblem für Besucher, deren Darmflora die fremden Keime nicht gewohnt sind (Reisedurchfall). Mitunter sind allerdings auch schwerwiegendere Infektionen möglich, z. B. in Choleraregionen. Aus diesem Grund empfiehlt das Auswärtige Amt beim Besuch bestimmter Länder, Trinkwasser ausschließlich abgekocht zu konsumieren. Abgepacktes Wasser ist in diesem Fall zu bevorzugen.

In stehenden Gewässern und belasteten Brunnen können sich weitere Krankheitserreger befinden. Dazu gehören z. B. Amöben (Auslöser der Amobenruhr), Zerkarien (Dermatitis), Vibrionen (Durchfallerkrankungen) und Blaualgen (bilden gefährliche Toxine). Auch Pseudomonas-Bakterien können unter diesen Bedingungen wachsen und immungeschwächte Menschen infizieren. Deswegen müssen bei der Bevorratung von Trinkwasser hygienische Bedingungen eingehalten werden.

Ein Sonderfall stellen Legionellen dar, die nach dem Einatmen schwere Lungenentzündungen (Legionärskrankheit) verursachen. Sie sind also weniger ein Problem beim Trinken des Wassers, sondern bei der Nutzung zum Duschen. Sie vermehren sich bei Temperaturen von 25-50 °C. Um das Wachstum von Legionellen zu verhindern, müssen Heißwasserboiler mindestens 55 °C, besser 60 °C erreichen.

Das Trinkwasser in anderen Regionen kann durch im Grundwasser enthaltene Schwermetalle belastet sein. Auch der Eintrag durch ungeklärte Abwässer kann Probleme verursachen. Insbesondere Quecksilber, Blei und Cadmium sind gefährliche Metalle, die weltweit viele Menschen vergiften.

Darüber hinaus gibt es auch in Industriestaaten Substanzen, die sich nur sehr schwer aus dem Abwasser entfernen lassen. Die Rückstände von Medikamenten und Wirkstoffen der Anti-Baby-Pille sind in der Umwelt persistent. Sie können nachweislich hormonelle Störungen bei im Wasser lebenden Spezies auslösen. Bei der Verwendung von Uferfiltraten gelangen sie auch in den Trinkwasserkreislauf.

Methoden der Trinkwasserreinigung

Wie kann man nun die Qualität des Trinkwassers verbessern? Dies hängt davon ab, welche Qualität das Ausgangsmaterial hat. Wir gehen hier der Einfachheit von normalem Leitungswasser aus. Grobe Verunreinigungen müssen daher nicht erst entfernt werden. Wer dagegen beim Camping in der Wildnis oder gar im Survivalurlaub ist, muss noch weitere Schritte zur Vorreinigung einplanen.

Wasserfilter:

Im Prinzip ist jede Form der Filtration ein Größenausschluss. Das heißt, ein poröses Trennmaterial hält unerwünschte Bestandteile zurück. Es lässt idealerweise nur Wasser und darin gelöste Substanzen hindurch. Für die Wasserreinigung bei Trinkwasser setzt man üblicherweise Aktivkohle als Filtermasse ein. Die Substanz ist hochporös und kann Bakterien, Sande und andere Kleinstpartikel zurückhalten. Stärker verunreinigter Vorlauf kann zum Beispiel durch Zelluloseacetatfilter gereinigt werden.

Ein besonderer Vorteil der Aktivkohle ist jedoch ihre Fähigkeit zur Adsorption. Dabei binden organische (unpolare) Substanzen an die Oberfläche der Aktivkohle. Die besonders große innere Oberfläche des Materials bietet dafür hervorragende Bedingungen. Als Faustregel kann gelten, dass 4 g Aktivkohle die Fläche eines Fußballfeldes für die Ablagerung von Schadstoffen bietet.

Auch Zeolithe sind häufig in Wasserfiltern enthalten. Deren Aufbau ist ebenfalls hochporös. Sie binden jedoch eher Metallionen und können daher zur Enthärtung von Wasser verwendet werden. Die in vielen Zeolithen enthaltenen Aluminiumanteile sind jedoch eher ungünstig. Werden sie freigesetzt, z. B. bei unsachgemäßer Benutzung des Filters, können sie gesundheitliche Probleme verursachen.

Umkehrosmose:

Die Umkehrosmose ist eine druckbeaufschlagte Form der Osmose entgegen der natürlichen Osmolarität. Grundlage ist eine halbdurchlässige Membran, die nur von Wassermolekülen passiert werden kann. Bei Normaldruck auf beiden Seiten bewegt sich das Wasser von der Reinwasserseite zur Rohwasserseite. Dies liegt an den Ionen und Verunreinigungen im Rohwasser, die wasserbindend wirken.

Erhöht man auf der Rohwasserseite den Umgebungsdruck, kehrt sich die Bewegungsrichtung des Wassers um. Es gleicht den Druckunterschied aus, indem es zur Reinwasserseite übergeht. Auf diese Weise kann aus verunreinigtem Vorlauf Wasser in höchster Qualität erzeugt werden. Umkehrosmose eignet sich auch zur Meerwasserentsalzung und ist energetisch effektiver als andere vergleichbar trennstarke Techniken.

Destillation:

Diese Technik basiert auf der Verdampfung von Wasser. Dabei bleiben gelöste Stoffe und Partikel zurück. Der Wasserdampf kondensiert an einer gekühlten Oberfläche und lässt sich als Reinwasser sammeln. Die Destillation erfordert einen hohen Energieaufwand und ist technisch praktisch vollständig durch Umkehrosmose verdrängt worden.

Vergleich:

Für Privatanwender sind Umkehrosmose und Wasserfilter verfügbar, Destillationsanlagen dagegen lohnen sich hier kaum. Sie kosten zu viel Energie und Zeit für die Bereitstellung von Trinkwasser. Die Reinigungsleistung der Anlagen sind für die Herstellung von Trinkwasser mehr als ausreichend.

Während filterbasierte Modelle zur Wasserreinigung auch portablen Versionen verfügbar ist, stößt die Umkehrosmose hier an ihre Grenzen. Sie ist in der Regel zur fest installierten Anwendung gedacht.

Die Filterleistung von Aktivkohlefiltern lässt nach einigen Monaten nach. Sie erfordert regelmäßige Filterwechsel. Filter und Membranen in Umkehrosmoseanlagen müssen seltener gewechselt werden. Hier ist das Hauptproblem die Möglichkeit von Bakterienwachstum in der Anlage.

Wasserreinigung in Schwimmbad & Pool

Verunreinigungen

Algen im Pool sind eine in privaten Anlagen häufig auftretende aber ungefährliche Verunreinigung. In aller Regel handelt es sich nämlich um Grünalgen. Diese Pflanzenarten sind relativ anspruchslos und benötigen nur wenige Nährstoffe und Sonnenlicht zum Wachsen. Anders als die gefährlicheren Blaualgen produzieren sie auch keine Giftstoffe. Letztere brauchen für bedenkliche Vermehrungen auch höhere Nährstoffkonzentrationen.

Bakterien werden entweder über Stäube, den menschlichen Körper oder einfallende Blätter in den Pool eingetragen. Sie vermehren sich abhängig von der Nährstoffkonzentration. Die meisten von ihnen sind harmlos und verursachen höchstens Wassertrübungen oder Biofilme. Einige Arten können jedoch die Haut reizen oder bei Eindringen in offene Wunden oder Schleimhäute Entzündungen verursachen.

Für Viren wie den neuartigen Coronavirus ist Poolwasser übrigens kein geeignetes Übertragungsmedium. Außerhalb des Körpers können Viren nicht lange überleben. Im Wasser erreichen sie praktisch nie ausreichende Konzentrationen für eine Infektion. Wenn beim Badebetrieb Übertragungen stattfinden, dann fast ausschließlich über die Luft oder durch Schmierinfektionen außerhalb der Pools.

Daneben entstehen Verunreinigungen durch Eintrag des Menschen: Schweiß, Hautpartikel und Hautflora wird im Pool abgewaschen. Dies stellt die größte Quelle für Fremdstoffe im Wasser dar. Bei Außenanlagen besteht außerdem die Möglichkeit, dass der Wind Pflanzenpollen, Blätter oder sogar kleine Zweige heranweht.

Die Reinigung des Wassers ist spätestens dann notwendig, wenn sich Trübungen oder Verfärbungen einstellen. Durch den Einsatz von Indikatormessungen sollte man jedoch frühzeitig erkennen, wenn Parameter vom Sollwert abweichen. Idealerweise geschieht dies, bevor der Pool “kippt”.

Als Faustregel:

  • grüne Verfärbung: Zeichen von Algenwachstum
  • milchig-trübe Verfärbung: Zeichen von Kalkablagerungen oder Partikeln (pH-Wert zu hoch)
  • braune Verfärbungen: Kupfer- oder Eisenablagerungen (falscher pH-Wert)
  • Beläge an Oberflächen: Bakterien- oder Algenwachstum

Wasserreinigung im Pool

Die folgenden Prinzipien kommen dabei zur Anwendung:

  • Wasseraustausch: z. B. durch Rückspülung der Filter
  • physische Reinigung: Kreislaufpumpen + Filter
  • chemische Reinigung: pH-Wert-Einstellung, Desinfektion, Algenverhütung, Flockung
  • alternativ: Desinfektion durch UV-Bestrahlung

Die regelmäßige Zuführung von Frischwasser in den Pool sorgt für eine Verdünnung der Inhaltsstoffe. Sie gewährt einen langsamen Austausch belasteten Wassers. Empfehlenswert sind pro Woche 3-5 % Frischwasserzugabe. Dies kann durch simples Abpumpen und Nachfüllen geschehen. Wer eine mechanische Filteranlage betreibt, muss diese regelmäßig rückspülen. Dabei wird auch automatisch frisches Wasser eingetragen.

Grobe Verunreinigungen lassen sich durch Abkeschern entfernen. Sollten Säugetiere im Pool verenden, ist der Austausch des Wassers vorgeschrieben. Auch eine regelmäßige mechanische Reinigung des Wasserbehälters und insbesondere der Beckenränder hilft, Beläge zu entfernen. Dafür stehen Bürsten und Poolsauger bereit. Mittlerweile gibt es auch Roboter zur selbstständigen Poolreinigung.

Die Umwälzung des Pools erfolgt durch Pumpen, die das Wasser in Bewegung halten. Im Kreislauf führen sie den gesamten Poolinhalt mehrmals täglich durch stationäre Filter. Diese entfernen Schwebstoffe und Partikel. Neben Sandfiltern sind auch Aktivkohlefilter einsetzbar, um einen größeren Reinigungseffekt zu erzielen.

Das auf diese Weise behandelte Wasser kann abschließend auch durch UV-Behandlung desinfiziert werden. Die harte UV-Strahlung dringt in das Wasser ein. Dort zerstört sie DNA und Eiweiße von Lebewesen. Auf diese Weise lässt sich das Wachstum von Bakterien, Algen und Einzellern in Schach halten.

Für die chemische Reinigung des Wassers sind weitere Schritte notwendig. Sie verhindern ebenfalls das Wachstum von Kleinstorganismen, aber auch Verunreinigungen durch Metallsalze. Der erste Schritt ist die Einstellung des richtigen pH-Wertes. Dieser gibt an, wie sauer oder basisch das Wasser ist. Der optimale Bereich liegt zwischen 7,0 und 7,4. Zur Einstellung verwendet man hauptsächlich Schwefelsäure und schwefelsaure Salze (“pH-Minus”) bzw. Natriumhydroxid (“pH-Plus”).

Zur Wasserdesinfektion setzt man in öffentlichen Bädern üblicherweise Chlor ein. Dabei handelt es sich nicht um Chlorgas, sondern um Verbindungen, die mit Wasser reagieren und dabei Hypochlorit (sogenanntes “freies Chlor”) bilden. Diese Substanz reagiert aggressiv mit organischen Verbindungen und wirkt desinfizierend. Die Reaktionsprodukte und nicht das Hypochlorit selbst sorgen unter Umständen für den bekannten “Chlorgeruch”.

Gegen Algenwachstum kommen Algizide zum Einsatz. Dabei handelt es sich technisch gesehen um Pestizide. Diese verbleiben jedoch nicht unbegrenzt im Wasser und gefährden keine anderen Organismen.

Gegenüber der Verwendung von Chlorgranulaten und -tabletten setzen sich langsam andere Methoden durch. Diese gelten für Badegäste und Umwelt als verträglicher. Außerdem müssen keine giftigen Chlorchemikalien gelagert werden. Hauptsächlich handelt es sich um Elektrolyseverfahren. Diese wandeln im Wasser gelöstes Salz (Natriumchlorid) in freies Chlor um. Sie laufen im ständigen Betrieb und sorgen damit eine kontinuierliche Desinfektion. Dadurch spart man sich auch das Messen und Nachdosieren von Chlor.

Abwasseraufbereitung in Kläranlagen

Hier gehen wir näher auf die Wasseraufbereitung von Abwasser ein.

Voraussetzungen und Einleitung

Abwasser setzt sich zusammen aus Regenwasser, Schmutzwasser und Fremdwasser. Vor allem das Schmutzwasser, das bei der Nutzung durch den Menschen entsteht, ist stark verunreinigt. Dazu gehören zum Beispiel Waschmaschinenablauf, Duschwasser und Toilettenwasser. Bei Bauarbeiten, in der Industrie und durch die Landwirtschaft entstehen weitere Abwässer.

Je nach anfallendem Volumen und Schadstoffbelastung muss dieses vor der Einleitung in die Kanalisation vorgeklärt werden. Neben kommunalen Kläranlagen gibt es so immer mehr private und betriebliche Anlagen. Auch Privathaushalte dürfen Abwasser nicht ungeklärt in Oberflächengewässer einleiten oder versickern lassen.

In Kläranlagern werden Inhalts- und Schadstoffe der unterschiedlichsten Kategorien entfernt:

  • Nährstoffe: Phosphat, Nitrat, Sulfat etc.
  • Mikroorganismen: v. a. Fäkalkeime
  • Partikel, Sande, Müll und andere grobe Verunreinigungen
  • Metalle und Schwermetalle
  • Rückstände von Chemikalien und Wirkstoffen aus Industrie, Pflanzenschutz, Kosmetik und Medizin
  • Mikroplastik

Bis ein eingetragenes Wasserquantum die komplette Anlage passiert hat, vergehen bei kommunalen Kläreinrichtungen etwa zwei Tage. Die Abwasserverordnung legt in Anhang 1 fest, welche Grenzwerte eingehalten werden müssen. Mit wachsender Ausbaugröße werden strengere Anforderungen gestellt.

Je nachdem, aus welcher Quelle die Abwässer stammen, gelten andere Grenzwerte. Für Kläranlagen, die das kommunale Abwasser von mehr als 100.000 Einwohnern behandeln, gelten folgende Richtwerte:

  • max. 75 mg/L chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)
  • max. 15 mg/L biologischer Sauerstoffbedarf nach 5 Tagen (BSB 5)
  • max 10 mg/L Ammonium-Stickstoff
  • max 13 mg/L Stickstoff gesamt
  • 1 mg/L Phosphat

Ablauf der Abwasserreinigung

  1. mechanische Reinigungsstufe: Entfernung von groben Verunreinigungen
  2. biologische Reinigungsstufe: Reduktion von Nährstoffen und organischen Inhaltsstoffen
  3. chemische Reinigungsstufe: v. a. Entfernung von Phosphat
  4. optional: intensive Nachreinigung zur Entfernung persistenter Schadstoffe

In der mechanischen Reinigungsstufe entfernen Rechen die gröbsten Fremdbestandteile. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Laub, Hygieneprodukte und anderen Müll. In einem Sandfang und anschließend Sedimentationsbecken kommt das Abwasser anschließend zur Ruhe. Dort können sich Schmutzbestandteile wie Fäkalien, Papier etc. absetzen bzw. schwimmen auf und werden kontinuierlich entfernt.

Die zweite Reinigungsstufe nutzt Mikroorganismen, um organische Abfallstoffe bei intensivem Sauerstoffeintrag abzubauen. Das Belebungsbecken funktioniert wie ein Bioreaktor. Von unten wird Sauerstoff zugeführt, der das Wasser durchsprudelt und die im “Belebtschlamm” enthaltenen Mikroorganismen versorgt. Diese zersetzen organische Substanz und bauen daraus ihre Biomasse auf.

Organisch gebundener und Ammonium-Stickstoff werden durch Biooxidation zu Nitrat. Nitrat wiederum wird von “Nitratatmern” zu Stickstoffgas umgesetzt, das aus dem Abwasser entweicht.
Im Anschluss an das Belebungsbecken folgt ein Absetzbecken, in welchem der Belebtschlamm nach unten sinkt und sich vom Abwasser trennt. Ein Teil des Sediments wird ins Belebungsbecken zurückgeholt. Der Überschuss wird aus dem Prozess abgeführt. Gemeinsam mit anderen Abfällen fault er in Faultürmen ab. Als Endprodukte entstehen Klärschlamm und Biogas.

Die nächste Reinigungsstufe stellt die chemische Reinigung dar, in welcher freies Phosphat entfernt wird. Phosphat als Nährstoff ist ein wichtiger Faktor für die Eutrophierung von Gewässern. Deswegen wird er mit Eisen- und Aluminiumsalzen gefällt. Die dabei gebildeten schwerlöslichen Phosphate flocken aus und sinken ab. Bei diesem Flockungsprozess binden sie auch weitere Substanzen, z. B. Schwermetalle. Auch andere Stoffe lassen sich über die Bildung schwerlöslicher Formen aus dem Abwasser entfernen. Dies spielt vor allem für industrielle Abwässer eine wichtige Rolle.

Die optionale letzte Stufe wird mit Hinblick auf Erkenntnisse über persistente Schadstoffe immer wichtiger. Persistenz ist die Eigenschaft eines Stoffes, in der Umwelt über lange Zeit in selber Form zu überdauern. Diese Besonderheit ist bei der Herstellung von vielen Chemikalien erwünscht, um ihre Haltbarkeit und Wirkung zu erhöhen. Unter kontrollierten Bedingungen sorgt die für eine effizientere Nutzung.

Gelangen persistente Schadstoffe jedoch in die Umwelt, können sie sich entlang von Nahrungsketten anreichern. Sie können vielfältige Schäden verursachen. Deswegen wachsen die Bemühungen, diese Substanzen bei der Abwasserbehandlung zu entfernen. Dafür gibt es verschiedene Verfahren, die meist als “advanced oxidation process” (AOP) bezeichnet werden. Dazu zählen Behandlungen des Abwassers mit Ozon, UV-Strahlung oder sogar Plasmaentladungen.

Der Ablauf der Kläranlagen wird in der Praxis regelmäßigen Tests unterzogen. Dabei überprüft man Indikatoren wie Phosphat- und Stickstoffgehalt sowie den chemischen und biologischen Sauerstoffbedarf. Letzterer steht für den Sauerstoff, der für die Oxidation von Inhaltsstoffen im Abwasser notwendig ist. Der Wert gibt also die Restbelastung mit organischen Bestandteilen an. Auch mikrobiologische Untersuchungen sind üblich.

Fazit

Der Einsatz von Wasserfiltern und anderen Anlagen zur Behandlung von Leitungswasser ist in Deutschland eher unnötig. Aufgrund der strengen Grenzwerte und Kontrollen gilt Trinkwasser als eines der saubersten Lebensmittel überhaupt. Die Werbung für Wasserfilter vermittelt den Kunden Unsicherheit bezüglich der Qualität. Diese ist jedoch nicht angemessen. Höchstens zur Enthärtung und damit Geschmacksverbesserung kann man Filter verwenden. Hier sind jedoch Ionenaustauscher effektiver als Aktivkohle.

Bei Poolwasser ist die Situation vollkommen anders: Ohne regelmäßige Reinigung und Desinfektion würden sich schnell Mikroorganismen und Algen vermehren. Diese können nicht nur die optische Qualität des Wassers beeinträchtigen. Manche Bakterien können allerdings die Gesundheit gefährden. Schon aus diesem Grund ist die Behandlung notwendig. Neben der Standardlösung – dem Einsatz von Chlor – gibt es heute auch umweltschonende und verträglichere Prozesse.

Für beide Anwendungen gibt es professionelle Hilfsmittel, deren Verwendung erprobt und sicher ist. Private Nutzer können sich hier auf Anleitungen und Erfahrungen der Hersteller verlassen. Die Beurteilung von Wasserqualität ist für den Laien nicht trivial. Deswegen können sie bei DIY-Lösungen zur Wasserreinigung nicht sicher beurteilen, wie erfolgreich diese sind.

Wasser als Ressource ist zu wertvoll, um die Verunreinigung natürlicher Reservoire und Gewässer zu riskieren. Deswegen ist die ständige Überwachung und Anpassung der Technologien zur Abwasserbehandlung so wichtig. Die Wiederverwertung und Aufarbeitung von gebrauchtem Wasser lässt uns diesen natürlichen Rohstoff nachhaltig nutzen. Doch auch die Quellen für Verunreinigungen sollten weiter reduziert und flächendeckend überwacht werden, um weiterhin eine gute Qualität unseres Wassers zu garantieren.